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Auf netzpolitik.org ist ein richtig guter Gastbeitrag von Jürgen Kuri erschienen: Mit uns geht die neue Zeit: Von neuen Netzen und alten Ideologien. Parteien und Politikgeschehen interessieren mich nicht so, aber Menschen, Einstellungen und Verhalten, weshalb ich diesen Artikel mehr aus einer philosophischen Perspektive wahrnehme.
Allzu viele der Internet-Versteher und Bewohner des Social-Media-Ghettos, der Online-Freiheitskämpfer und Anti-Internetaudrucker lassen ein Elitedenken erkennen, vor dem einem Angst und Bang werden kann.
Schuldig im Sinne der Anklage. Ich schließe mich da gar nicht aus, habe ich doch oft dieses arrogante Gedankengut mitgetragen und mitverbreitet. Das mag noch harmlos gewesen sein, wenn man sich unter einer kleinen Gruppen von Techies, grinsend gegen die "Nix-Checker" wehrte. Schließlich waren die sich auch lange Zeit nicht zu schade, Urteile über technikaffine Menschen zu fällen, die sie nicht verstehen ("Freak", "Nerd", "Computer-Fritze"). Heute, wo wir "Techies" nicht mehr die schrägen Außenseiter darstellen, wird's Zeit wieder zurückzurudern. Sonst machen wir die selben Fehler wie die, gegen die wir ruderten, sind damit kein bisschen besser, verlieren die Legitimität => werden ebenso lächerlich.
Solche Artikel sind nicht dazu da, auseinandergepflückt zu werden ("Polemik", "keine Argumente" etc.). Man nimmt den wahren Kern mit und denkt weiter, wohin dieses Gedankengut führt.
Mit einer gewissen Arroganz kann man dann auch gleich noch die Demokratie zu einer eher ungeeigneten Staatsform erklären, da der Massengeschmack die Einsicht in die Freiheiten und Notwendigkeiten der neuen Wissens- und Online-Gesellschaft verhindere.
Kleines Update 18:55 Uhr: Passend aus der Rede der Bundeskanzlerin beim 4. Nationalen IT-Gipfel (Hervorhebungen sind von mir):
Es gibt ja inzwischen zum Teil eine fast gespaltene Gesellschaft. Ich habe mich eben gerade sozusagen als Immigrantin mit den Natives der digitalen Welt ablichten lassen, die natürlich ihren eigenen Stolz entwickelt haben. Ich habe gefragt: Wie wird man vom Immigranten zum Native? Es wurde gesagt, es sei so ein Gefühl, das man haben müsse.
Als Blogger höre ich immer öfter "wertschätzende" Aussagen von den Anderen. So einer von den Anderen, der wollte was im WWW machen und planen und fragte mich nach der "Realisierbarkeit" seines Vorhabens (er sah wirklich keine Diskrepanz in der Tatsache, dass er nicht weiß, wie man etwas im Web realisiert und trotzdem ein Web-Projekt plant).
Aber irgendetwas wusste er schon über das Netz, denn an entscheidender Stelle kam die sichere Aussage, dass wir das mit einem target="_blank" verlinken sollten. Ich sagte "Nein, das ist aus mehreren Gründen Unsinn.". Er fragte "Wieso?" und "Warum?", sichtlich fand er seine Idee genial. Ich quatschte über Usability und Entscheidungsfreiheit und Tabs in allen heutigen Browsern und dass wir 2007 haben und so weiter ... Aber es brachte alles nichts, so dass ich zur Notbremse "Die Seiten sind XHTML. Das wäre gegen die Spezifikation. Willst du das verantworten?" griff. Brachte aber auch nichts, target="_blank" war einfach zu attraktiv. Also sagte ich nur noch, "Hör mal, dieses Thema ist uralt, google mal bitte nach, informier dich im Netz, da haben schon viele was zu geschrieben ...". Dann kam der Spruch: "Das ist doch bestimmt so Blogger-Zeugs, was da so geschrieben steht."
Da aber auch respektlose Greenhorns Menschen sind, hier eine relativ aktuelle Suchhilfe: Warum Links, die ein neues Fenster öffnen, SÜNDE sind! (via Linkdump)
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