alps hypertexte
Der Zeit-Artikel Höfische Gesellschaft 2.0 (via AlltagsGrauen) bringt es an mehreren Stellen auf den Punkt:
Facebook gibt die Regeln vor, nach denen eine Freundschaftsanfrage abgewehrt wird, ein Link gesetzt werden kann oder eine Kontaktaufnahme vollzogen wird. Der Konzern formalisiert damit für über 300 Millionen Nutzer das soziale Leben. Google liefert den Algorithmus für Suchergebnisse, strukturiert Relevanz. Die Enzyklopädie Wikipedia dominiert längst ein Wächterrat, der Einträge zensiert und Qualitätssicherung betreibt. Das Netz ist so umfassend reglementiert wie die Libertinage in Versailles durch rigide Etikette.
Höfische Gesellschaft 2.0 - zeit.de
Web 2.0 war für mich immer Feudalismus:
Eine idealtypische feudale Gesellschaft kann durch folgende Merkmale beschrieben werden: Die Produktion war stark von der Naturalwirtschaft geprägt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bestand aus Bauern. Sie waren aber nicht Eigentümer des von ihnen bestellten Landes. Dieses Land war Eigentum des Grundherrn. Die Bauern befanden sich im Zustand der Leibeigenschaft, sie waren also persönlich abhängig vom Grundherrn und unfrei.
Feudalismus - Wikipedia
Den Schutz und die Gesellschaft in der Burg des Feudalherren genießt man nur, wenn man vorher seinen AGB zugestimmt hat. Man hat zwar heute nicht mehr die exekutiven Maßnahmen aus dem Mittelalter zu fürchten, wenn man dem Grundherren keine Abgaben (=Content + reale Daten) leistet. Aber es kommt auch oft genug vor, dass Burgen untergehen, wenn niemand oder zu wenige Bauern ihre Abgaben leisten. Deshalb greifen einige "Grundherren" zu diversen Methoden der Monetarisierung ihrer Burgen. Und wenn Geld ins Spiel kommt, kommen auch die Gefahren bezüglich der Informationellen Selbstbestimmung. Die Meldungen über Datenkriminalität häufen sich. So leisten die Bauern dann doch irgendwie ihre Abgaben in Form ihrer persönlichen Daten (in falschen Händen).
Ich bin nicht gegen das Web 2.0. Im Gegenteil, ich arbeite gerne daran mit (baue und optimiere solche Seiten), partizipiere daran auch als Mitglied diverser Dienste und sehe die Vorteile gegenüber dem Web 1.0.
Ich habe aber Verständnis für jene, die nicht in allen Zügen am Web 2.0 teilhaben möchten. Die "Web 2.0-Verweigerer", wie sie in letzter Zeit immer häufiger genannt werden, sind nicht immer "Ewig-Gestrige". Es sind auch "Ewig-Morgige", die schon vom Web 3.0 träumen. Einer Vorstellung vom zukünftigen Web, die auf den Errungenschaften des Web 2.0 aufbaut (viele User partizipieren, generieren Content), aber signifikante Verbesserungen mit sich bringt, wie z.B.:
Diese "Träumer" waren schon Freaks, Geeks, Nerds, als sie 1999 vom Web 2.0 träumten. Die werden es auch heute aushalten, so genannt zu werden
.
fwolf (Homepage) on 2009-10-29 14:01 (Reply)
Ich mag z.B. Twitter nicht. Selbstentblö(d)ßungsorgien ziehe ich lieber in meinem Privatleben, aber außerhalb des Mediums Internet, durch. Für Microblogging plane ich immer noch, mal bei nächster Gelegenheit nen APP-Client zu bauen, mit dem ich dann nach Belieben andere Systeme mit Zweizeilern zukleistern kann
cu, w0lf.
ps: das eine list item-tag bei PNS ist kaputt. der Punkt müsste weg