Von Wordpress zu Serendipity
Immer kürzere Update-Zyklen
Ich hatte schon hier geschrieben, dass es langsam zum Zeit- und Geldfaktor wird, alle 1-2 Wochen ein Upgrade zu fahren. Seit letztem Weihnachten durften die Wordpressler nun 4-5 Upgrades mitmachen, zu allem Überfluss entstand auch noch ein neuer "2.1er-Branch".
Bei zu kurzen Upgradephasen kann nicht jeder Zwischenschritt ausgiebig getestet werden. Wenn zwischendurch ein Upgrade an einer PlugIn-Inkompatibilität scheitert, können auch schonmal Dinge (Einstellungen, Daten etc.) verloren gehen. In dieser Upgrade-Phase seit Weihnachten schlichen sich hier nach und nach immer mehr kleine "Macken" ein.
- Zuerst ging WP-Hashcash nicht mehr. Dieser auf JavaScript basierende Spamschutz war eigentlich immer meine erste Wahl bei Wordpress. Doch irgendwann baute eine neue Version von WP-Hashcash eigene Tabellen auf und die ersten Inkompatibilitäten traten auf. Nach einer Stunde Fummelei an der Datenbank habe ich das PlugIn nicht mehr repariert bekommen. Man hätte mit der Zeit solche Funktionalitäten fest in Wordpress integrieren sollen, anstatt die Oberfläche mit immer mehr Ajax aufzupolieren
- Spezielle Anforderung: Leserechte für Benutzer(gruppen) vergeben können. Ob man es für einen Paid-Content-Bereich braucht, oder nur bestimmte Einträge vor den Bots & Borgs schützen möchte, so eine Funktion gehört für mich mittlerweile ebenfalls zu den must-have-Core-Funktionalitäten. Serendipity kann das von Haus aus sehr gut. Für Wordpress sind etwa ein Dutzend PlugIns dafür zuständig. Dummerweise gab es hier bei jedem Upgrade seit Weihnachten Schwierigkeiten, so dass man die nächste Version des PlugIns abwarten musste.
- Wegen dieses Leserechte-PlugIns konnte ich auch das letzte Upgrade von 2.0.7 auf 2.0.9 nicht durchführen (an 2.1.x wäre noch gar nicht zu denken). Als ich aber wieder alles hergestellt hatte (Dateien und mysql-Backup) funktionierte auf einmal die Kommentarmoderation nicht mehr. Obwohl Haken gesetzt, wurde nur der erste Kommentar moderiert, alle anderen schwuppten einfach durch.
- Die Admin-Oberfläche war jetzt wieder Englisch. Ok, nur ein Schönheitsfehler. Aber in der Config und auf der Webserver-Shell sah alles in Ordnung aus. Mich wurmt ja so ein Fehler schon wegen des Umstandes, dass ich nicht weiß woran es liegt, unabhängig von der Größe des Effekts.
- .. und noch ein paar anderen kleine, unwesentliche Macken (vor allem in den Widgets), die einem das Gefühl geben, alles sei ein bisschen 'wackelig'.
Das waren also die unmittelbaren technischen Gründe für den Motorwechsel. Hinzu kommen im Hinterkopf aber noch andere Gedanken. Etwa, wie oben schon angedeutet, dass mir die Entwicklung mit der Zeit nicht gefiel. Irgendwie sprechen die Veränderungen der letzten Zeit in WP nicht mehr meine Bedürfnisse an.
Oder den schalen Beigeschmack beim Nachäffen hinter den Suchmaschinenherstellern mit dieser nofollow-Geschichte. Bei Serendipity scheint die Frage über den Einsatz dieses Attributs nur eine Template-Sache zu sein, wenn ich das richtig verstanden habe, und keine interne Vorgabe, die nur durch ein weiteres PlugIn oder deep hacking ausgehebelt werden kann. Und dann waren da ja noch ein paar Link-Skandale auf wordpress.org, die zwar nicht mein Problem waren, den schalen Geschmack aber abrundeten.
Über Serendipity hörte ich im Vorfeld, dass es derlei PlugIn-Inkompatibilitätsprobleme in Vergangenheit nicht gegeben hätte. Außerdem werden sie als gebündeltes Paket mitgeliefert, so wie eine Linux-Distro mit zigtausenden von Applikationen daher kommt. Jo, der Vergleich passt. Holste dir Windows, kriegst du ein paar kleine unwesentliche Tools mitgeliefert, die du selten gebrauchen wirst. Und die Hauptsoftware (Office, Bildbearbeitung etc.) musst du dir noch extra anschaffen. Eine Linux-Distro kommt gleich mit OpenOffice und Gimp & Co daher
Diese Vorgehensweise bei Serendipity (eine Menge PlugIns und Themes mit ins Paket zu packen) hinterlässt zumindest den Eindruck, die s9y-Schmiede hätte die Funktionalität abgenickt. Und mit dem PlugIn "Spartacus" lassen sich weitere PlugIns ohne FTP direkt ins Blog installieren. Unter Wordpress gibt es auch sowas, es funktionierte bei mir damals aber nur wackelig.
So als Freelancer und so ...
Was bei Wordpress die Widgets sind, sind bei s9y die Seitenleisten-Plugins. Wenn man, wie ich, durchschnittlich alle 2 Monate für jemand anderes ein Weblog/CMS einrichtet, weiss man, wie oft über die Möglichkeit, die Seitenleiste(n) verändern zu können, gesprochen wird.
Als Feature-Fetischist brauche ich gar nicht zu erklären, warum Serendipity dann bei der ersten Installation beeindruckt. Alleine schon die benutzerdefinierte Installation ist klasse. Zuerst wird gecheckt, ob der Webserver ausreichend gerüstet ist. Dann kommen die vielen Schalter und Regler. Da lässt sich alles, vom Blogtitel bis zu den Rewriteregeln, schonmal einstellen. Wer will schon ein "5-Minutes-Install"? Ich will, so lange ich dafür eben benötige, lieber schonmal alles voreinstellen. Installieren soll es sich danach aber in 10 Sekunden
Motorwechsel: Wordpress nach s9y
Der Wechsel der Blog-Software war relativ stresslos. Mein Vorgehensweise war dabei, grob umrissen, folgende:
- Serendipity wurde zuerst in einem anderen Verzeichnis installiert (http://alp-uckan.net/serendipity/)
- Dann wurden die Wordpress-Daten, die sich auf dem selben Datenbank-Host befanden, importiert. Einträge, Kommentare und registrierte Benutzer wurden fehlerfrei rübergezogen (nicht vergessen beim Import "utf-8" als Zeichensatz anzugeben). Die geschützten Einträge (die bei Wordpress den Status "privat" haben, so regeln das alle Leserechte-PlugIns) wurden ebenfalls importiert, in s9y aber mit dem Status "Entwurf" versehen. Was aber aus Gründen der Sicherheit besser ist, als sie gleich als "Veröffentlicht" zu importieren, bevor man die entsprechenden Rechte anlegen konnte. Diese Einträge musste ich noch alle der geschützten Gruppe zuweisen und auf "Veröffentlicht" setzen.
- Als nächstes habe ich die Permalink-Struktur an die des alten Wordpress-Blogs angepasst. Wie man für die durchgängige Kleinschreibung in der URL sorgt, erklärt der Chef hier.
- Dann konnte die PlugIn-Fummelei beginnen. Beim Flickr-PlugIn gab's ein kleines Understandability-Problem, was hier erklärt wird. Bei Fragen und Problemen war sowieso diese Adresse mein einziger Anlaufpunkt. Garvin und die anderen s9y-Leute haben dort schon jedes Problem besprochen.
- Als letzten Schritt vor dem Motorwechsel kam dann das Template dran. s9y verwendet die Smarty-Template-Engine, insofern waren die Anweisungen mir nicht ganz fremd. Wer aber einen direkten Wordpress-Theme-Vergleich braucht, um sich in Serendipitys Template-System einzuarbeiten, kann vom mitgelieferten Kubrick-Port ausgehen. Der benötigt unter Serendipity auch deutlich weniger Vorlagen-Dateien als unter Wordpress. Als Minimalanforderung reicht eigentlich schon eine CSS-Datei als Template aus, wenn man seinem Blog ein eigenes Ausehen verpassen möchte.
- Gestern um Punkt 20:30 Uhr habe ich (nach 10-minütiger Vorankündigung) den Selbstzerstörungsmechanismus von Wordpress gezündet und danach alle Dateien von
/serendipity/nach/blog/kopiert. Gleichzeitig habe ich in derserendipity_config-Tabelle per phpMyAdmin alle Pfade korrigiert. Dort findet man dann auch Pfadangaben in PlugIns (etwa dem Tagging-PlugIn), die man direkt in einem Wisch ändern kann. Ich weiß, eine wohlüberlegte SQL-Abfrage hätte es auch getan, aber solche Experimente wollte ich Abends nach 20:00 Uhr vermeiden
Außerdem waren es nur 4-5 Stellen, an dem der Pfad geändert werden musste.
Jetzt muss ich noch hier und da Staub wischen und die paar geforderten Funktionen nachaktivieren, aber dann bin ich erst mal richtig froh, diesen Schritt getan zu haben. Hätte ich schon letzten Sommer machen sollen. Und das nächste Blog, das switchen wird, steht auch schon fest.
An dieser Stelle Respekt und Dank an die s9y-Macher- und -Beteiligten. Klasse Stück Software ist das.



fwolf-temp: was mir persöblich an s9y nicht gefällt, das meine e-mail-adresse IMMER veröffentlicht wird.
ich steh ja auch total auf spam (als ob comment-spam nicht schon ausreichen würde).
aber ansonsten werd ichs mal antesten.
für mich bietet sich WP inzwischen vornehmlich als einfach zu installierendes, wandelbares und administrierbares CMS an. mal schaun, ob s9y diesen anspruch auch erfüllen kann. wenn nicht => mv /s9y/ /dev/null
cu, w0lf.
Alp Uçkan: Wo wird denn hier jetzt deine E-Mail-Adresse veröffentlicht? Aber du hast Recht, es ist falsch voreingestellt und die meisten s9y-Blogger ändern diese Einstellung auch nicht im "Spam Protector".
maffe: Gibt es eigentlich noch nicht-öffentliche Beiträge oder ist ein Benutzerkonto nun wieder überflüssig? Mit Wordpress standen ja die Rechte unter den Einträgen. Oder kommt das wieder?
Alp Uçkan: Ja, die Einträge gibt es auch noch. Ich habe nur noch keinen Weg gefunden, sie optisch zu kennzeichnen, aber das kommt noch. Wenn du eingeloggt bist, siehst du die Einträge zwischen den öffentlichen reingestreut.
maffe: Ah ja, jetzt sehe ich sie. Ich hatte halt auf meinen Feedreader (Thunderbird) vertraut, aber die Einträge erscheinen ja dort nicht im Feed. Kann man da vielleicht noch dran drehen, sodass zumindest die Benachrichtigungen funktionieren?
Alp Uçkan: Bin gerade nicht so mit dem Feedreader von Thunderbird vertraut. Kann der HTTP_AUTH? Also passwortgeschützte Feeds lesen?
maffe: Ja. Kommt zwar derzeit noch bei jedem Start die (vorausgefüllte) Frage nach Benutzernamen und Passwort (Bug 267203: https://bugzilla.mozilla.org/show_bug.cgi?id=267203), aber es funktioniert.
Frank: Mhhh, hatte nach den WP Upgrade-Orgien der letzten Monate auch schon ähnliche Gedankengänge um Zeit & Nerven zu sparen.
Werde nachher mal ein Test-Serendipity installieren. An nen Umstieg traue ich mich allerdings (noch) nicht wirklich ran.
Für neue Kunden Blogs kommt es allerdings schwer in Frage, falls ich s9y aus SEO-Sicht in den Griff bekomme ...
Michael Sauer: Danke für diesen Artikel. Ich werde versuchen mein Artikelverzeichnis auf S9y umrüsten. Eine kleine Testumgebung habe ich schon eingerichtet. Wirklich erstaunlich was das CMS kann: Plugins, Themes und so weiter per klick installieren ohne mühsehlig suchen & downloaden zu müssen.


Leider kann man Themes nicht ändern wie bei WP also direkt den Quelltext bearbeiten, oder doch. Na gut ich habs erst seit 2 Stunden aufn Server
P.S. Nachts arbeiten sux
schönen gruss
michael
Seo Breisgau Blog: Hey Michael
2. Fragen. 1: Was ist aus dem Test geworden? Erfahrungsberichte? Lohnt sich ein Artikelverzeichniss überhaupt. Kosten nutzen Faktor?
Schnuffel: Also ich betreibe selbst ein AV und da lässt sich durch Werbung wirklich nichts einnehmen.
Der Aufwand alle Texte nach DC abzuchecken kostet auch unheimlich viel Zeit
Paul Buchhorn - Fernstudium und Weiterbildung: ich bleibe meinem wp treu
Handy TV Blog: Ich denke auch das WP viel zu einfach ist um es abzuschalten. Aber Recht hast du eigentlich