alps hypertexte
Steffen von Denkzeit beschwert sich über Pseudo-Meinungen vieler Netizens (Inhaltsleere im Datendschungel). Er stellt fest, dass - mit einfachen Ghetto-Worten - die meisten labern ohne was gepeilt zu haben und dadurch nix zur Sache beitragen. Erinnert mich ein bisschen an Marilyn vos Savant, des laut IQ-Test intelligentesten Menschen der Welt, die mal etwas schrieb wie "Meinungen sind das Schutzschild der Dummen, die es vor sich hertragen um jeder tieferen Argumentation aus dem Weg zu gehen".
Eine Meinung zu einem Thema ist kein Geburtsrecht, man muss sie sich erarbeiten. Man kann nur eine Meinung zu etwas haben, von dessen Materie man auch wirklich Ahnung hat. Erst wenn man ausreichend Fakten kennt, kann man daraus eine Meinung formen. Ich hätte z.B. gerne eine Meinung zum Thema "Schwangerschaftsabbruch". Habe ich aber nicht, denn mir fehlen die nötigen medizinischen, philosophischen, sozialen und religiösen und sonst-welchen Detailkenntnisse, um mir eine Meinung bilden zu können. Ebenso wenig kann ich eine Meinung zum komplexen und mehrere Wissensdisziplinen involvierenden Thema "Umweltschutz" haben. Ich beherrsche nicht mal die chemischen Grundlagen dafür.
Aber vielleicht darf ich mir eine eigene Meinung zum Thema "Usability" erlauben. Vielleicht auch über "Kampfsport". Also zu Themen, die ich mindestens ein Jahrzent-lang durchgekaut habe.
Und damit wird das Feld schon sehr dünn. Wenn ich's genau nehme, bleibt da nicht viel übrig, was meine Meinung sein kann. Die Masse in meinem Kopf sind Worte, die andere mal zu einem Thema geäussert haben. Was aber ok ist. Ich darf sie annehmen, ich darf daran glauben, wenn ich denke, dass diese Fremdmeinung von einer kompetenten Person geäussert wurde. Ich darf nur nicht behaupten "Das ist meine Meinung". Denn mit einer einzigen Frage fällt die Fassade: "Worauf genau stützt du deine Meinung?" / "Auf welchem Wissen und Tatsachen beruht diese Meinung?".
Was sind also diese Pseudo-Meinungen, die ständig mit dem Schild "meine Meinung" versehen werden? Es sind meist nur Ansichten, Fremdäusserungen ohne Quellangabe und Lernprozesse. Jep, es gibt da nämlich noch den diskutierenden Gesprächstypen unter den Lerntypen. Der braucht das Gelabere ausschliesslich für seinen eigenen Lernvorgang.
Aber das alles ist ok, ist legitim. Man muss nur wissen, was eine Meinung ist und was nicht. Und - noch besser - die sich äußernde Person sollte das auch wissen. Dann gibt's weniger sinnlose Diskussionen oder Missverständnisse. Und das Netz hat auch dafür genug Platz.
Steffen (Homepage) on 2004-10-10 10:25
Usability Inside | Weblog | (Homepage) on 2004-10-10 10:13
Usability Inside | web-blog.net (Homepage) on 2004-10-10 12:13
Jahresabschlussbericht des Bundesamts fr Seitenstatistik :: DenkZEIT (Homepage) on 2005-01-01 18:36
Boris (Homepage) on 2004-10-09 20:51
Zu unterscheiden ist hiervon natürlich das, was man 'common sense' nennen kann: der intersubjektiv vermittelte und getragene Standpunkt, der im normalen Lebensalltag entscheidungs- und handlungsleitend ist. Vernünftige Menschen betrachten ihre Nicht-Experten-Standpunkte ebenfalls als vorläufig und sind jederzeit bereit, aufgrund guter Gründe ihre Ansichten zu modifizieren oder gar zu revidieren.
Joo... jetzt könnte das Ganze noch in Buchform ausgedehnt, weitläufig differenziert und zum Anlass zu 'philosophischen Nächten' gemacht werden....