The Weblog

Die Probleme der anderen

Sceptical Kid

Ich habe mich mit diesem Leben arrangieren müssen. Ich habe mich echauffiert, aber ist ein gewollter Zustand. Aber ich habe auch deshalb kein Verständnis für Leute, die sich darüber aufregen, dass ihr Handy geladen sein muss … Die haben nämlich kein Problem, die sind einfach nur noch Verzogen und haben ein Luxusproblem … Sie wissen nicht worüber sie sich sonst aufregen sollten …

So ist es. Diese scheinheilige Empörung einiger Gutmenschen über den kleinsten Zacken in ihrer ansonsten so runden Welt ist kaum nachvollziehbar. Try walking in my shoes … wie der Engländer zu sagen pflegt.

Mythos: Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen

nick-hanauer

In Politik und seinen PR-Medien wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass Unternehmer in einem kapitalistischen System Arbeitsplätze schaffen. Und damit diese sich frei entfalten können, genießen sie Steuervergünstigungen.

Dass dies aber ein hartnäckiger Mythos ist, ähnlich wie die Menschen lange Zeit glaubten, die Erde wäre Mittelpunkt des Universums, erklärt Nick Hanauer, selbst ein vermeintlicher Job Creator, bei einem TED Talk.

I have started or helped start duzends of companies and initially hired lots of people. But if there was no one around who could afford to buy what we had to sell all those companies and all those jobs would have have vaporated. That’s why I can say with confidence that rich people don’t create jobs nor do businesses large or small. Jobs are a consequence of a circle of life-like feedback loop between customers and businesses. And only consumers can set in motion this virtual cycle of increasing demand and hiring. In this sense an ordinary consumer is more of a job creator than a capitalist like me.

Es sind die Konsumenten, die eine Wechselwirkung mit dem Unternehmen in Gang setzen, der wiederum zur Anstellung von Arbeitern führt. Den ohne den Konsum löst sich das Unternehmen und damit die Arbeitsplätze in Luft auf.

Von einem Unternehmer zu behaupten, er würde Arbeitsplätze schaffen, ist wie von einem Eichhörnchen zu behaupten, es wäre für die Evolution zuständig, fährt Nick Hanauer fort.

Wenn es wahr wäre, dass geringere Steuern für Unternehmer zu mehr Jobs führen würden, würden wir heute in einer Fülle von Arbeitsplätzen untergehen. Die Arbeitslosenstatistiken sprechen jedoch von historischen Rekordhöhen.

Mythos Wirtschaftsmotor: Versenkt

Auch mit dem Irrglauben, dass Superreiche die Wirtschaft ankurbeln würden, räumt Nick auf. Er sagt ganz offen, dass er Hundert, gar Tausend mal mehr Geld macht als der durchschnittliche Amerikaner. Aber seine Familie hat 3 Autos, nicht 3000. Er kauft, wie die meisten Amerikaner, ein paar Hosen und Hemden pro Jahr und nicht Tausende und ab und zu gehen sie mal auswärts mit Freunden essen. Er konsumiert nicht in dem Maße, dass es Tausende von Arbeitslose rechtfertigen würde, die sich eben keine Autos und neuen Kleider leisten können.

Weitergedacht: Gott-Komplex

Nick weist auf die Metaphern und Rhetorik hin, mit der die Debatte rund um die sogenannten “Jobmacher” im Zentrum des Wirtschaftssystems geführt wird. Denn vom Job Creator zum Creator ist es nur ein kleiner Schritt. Er sagt, diese Sprache wird nicht zufällig verwendet. Indem Unternehmer sich den Titel des “Job Creators” geben, rechtfertigen sie den Anspruch auf ihren Status und ihre Privilegien.

Fazit

Diese Entwicklung der letzten 30 Jahre ist ein Rückschritt. Wir sind im Verständnis fundamentaler wirtschaftlicher Zusammenhänge heut nicht aufgeklärter, sondern ein gutes Stück dümmer und naiver als frühere Generationen. Durchdachte Auswahl der Terminologie und ständige Wiederholung unbewiesener Theorien seitens Politik und Massenmedien, bilden die Grundlage für die steuerrechtliche Übervorteilung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Modernes “Divide et impera” – HowTo

Was “Divide et impera” bedeutet und wie es heut zu Tage in der Öffentlichkeit angewendet wird, um z.B. vom eigenen Regierungsmisserfolg abzulenken, oder weitesgehend unbemerkt kritikfähige Beschlüsse und Gesetze durchzudrücken, dürfte der mündige Bürger ja mittlerweile gelernt haben. Soviel zur Theorie.

Wie das aber dann technisch funktioniert, sehen wie aktuell mal wieder beim Fall Thilo Sarrazin.

  • Man nehme einen Rassisten mit potential zur Prominenz und gebe ihm Wort und Bühne für seine Äußerungen,
  • wehre erste Kritiken mit dem Verweis auf das Recht auf freien Meinungsäßerung ab,
  • lasse noch mehr Rassisten zu Wort kommen, die auf den “Ja, so sehe ich das auch”-Zug aufspringen; lasse in öffentlichen Foren und Nachrichten-Sites Kommentare à la “Sowas muss man doch sagen dürfen, ohne heute als Nazi beschimpft zu werden” stehen + lasse zu, dass sie ganz viele positive Bewertungen bekommen und somit an populärer Stelle sind.
  • Man lasse ganz viel Zeit verstreichen, um diese ins öffentliche Bewusstsein eingepflanzte “Meinung” einsacken zu lassen; blocke währenddessen Klagen von Organisationen wie der TBB bereits auf staatsanwaltschaftlicher Ebene ab.
  • Lange Zeit später sorge man dann für eine scheinbare Kurskorrektur, die eigentlich kaum mehr ins Gewicht fällt und auch nicht einmal ein Zehntel soviel in den Medien breitgeschlagen wird, wie die ursprüngliche Hetzdebatte, so dass der Gutbürger dann noch “Vertrauen ins System” haben darf.

Wer jetzt denkt, so etwas wäre der normale Lauf der Dinge, ist entweder an Naivität und Weltfremdheit kaum noch zu übertreffen oder einfach noch zu jung, um ausreichend solcher Fälle miterlebt zu haben.

There is no Ausländerfeindlichkeit

Wann wird man endlich aufhoeren mit dieser ‘wir’ und ‘ihr’ Mentalitaet? Wann wird man es als selbstverstaendlich betrachten, dass Kinder von deutschen Buergern (egal mit oder ohne Migrationshintergrund) Deutsche sind, egal woher die Vorfahren herkommen? Und wieviele Generationen muss man eigentlich in der Bundesrepublik gelebt haben, damit man keinen Migrationshintergrund mehr hat?

Mehr Tuerken als gedacht | Dontyoubelievethehype

Das hat nichts mit Migration oder Generationen zu tun. Das ist keine schnöde Ausländerfeindlichkeit. Das hat mit äußerer Erscheinung zu tun. Das nennt man dann Rassismus. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Es hieß mal früher Kümmeltürke, Gastarbeiter … und heute pseudopolitischkorrekt “mit Migrationshintergund”. Bleibt aber immer das Gleiche.

Getreu dem Spruch “Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.” sage ich “Wir hielten es für Angst vor dem Unbekannten, doch es war Rassismus”.